Prof. Dr. Moritz- Kloss

 

18. März 1818 in Krumpa – 1. September 1881 in Dresden

Hintergrund:


Am 24. August 1884 wurde M. Kloss zu Ehren eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus angebracht. Stifter waren Turnvereine aus Halle, Merseburg, Lützen, Laucha, Weissenfels, Mücheln und Freyburg. Das ganze Haus wurde vorher noch einmal abgeputzt und das Dorf war festlich geschmückt. Nach den Reden der Turnvereinsvorsteher auch Direktor Bier aus Dresden fand ein mehrstündiges Schauturnen auf einem vor dem Gasthaus hergestellten Festplatz statt. An zwei Stellen im Ort gab es Konzert und Tanzmusik bis spät in die Nacht Anwesend ca. 400 Turner und Leute aus der Umgebung. (Zitat aus der Chronik)

 

Diese Tafel gibt es nicht mehr, deshalb soll am 2. September 2006, zum 250. Todestag von Prof. Moritz Kloss einen neue Gedenktafel angebracht werden.

 

 

aus der Chronik recherchiert: hier die einzelnen Seiten, des von W.Wichmann zusammengetragenen Materials:

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Im heutigen Pfarrhaus (Kirchplatz 4) in Krumpa wurde am 18. März. 1818 Moritz Kloß geboren. Er war der Sohn des Lehrers Johann Gottlieb Kloß (Lehrer in Krumpa von 1803-1843), dessen Familie aus Lobithile bei Weissenfels stammte. Der Grossvater Johann Kloss war von 1772-1803 Lehrer in Krumpa. Die Mutter Moritz Kloss’ Rosine Marie  Kloss war Tochter des Krumpaer Landwirts Kütze.
Von seinem Vater erbte der junge Moritz die Liebe zur Musik. Er bekam Klavierunterricht. Er besuchte das Domgymnasium Merseburg ab der Quinta.
Ursprünglich wollte er studieren, sein Vater wünschte allerdings, dass auch er Lehrer in Krumpa werden sollte. So besuchte er ab 1834 die Präparandenanstalt in Weißenfels. Abschluss 1837 mit „Eins“. Nach der Militärpflicht beim 31. Infanterieregiment trat er als Hilfslehrer beim Seminar in Weißenfels ein. Ab April 1840 arbeitet er als Gymnasial-Lehrer in Zeitz.
1841 begann er sein zweites Studium in Berlin an der philosophischen Fakultät. Hier traf er erstmals auf Friedrich Ludwig Jahn und dessen Lehrer Ernst Eiselen. Dieser Kontakt zum Turnen prägte sein ganzes weiteres Leben. Nach einem Jahr arbeitete er wieder in Zeitz – ab 1842 Leitung der neueingeführten Turnübungen  (Anmerkung: 1820-1842 bestand ein Turnverbot).
Moritz Kloss heiratete am 3. Oktober 1843 Frl. Auguste Rosenfeld (Tochter des  Geh. Justizrates Rosenfeld in Zeitz). Er hatte zwei Kinder: ein Mädchen, das bald verstarb und einen Sohn.
Kloss war auch Gesangslehrer am Gymnasium und ab 1844 wurde ihm das Kantorat an der Michaeliskirche zu Zeitz übertragen, er war Dirigent des gemischten Chores und einer Männer-Liedertafel.
Kloss bewarb sich 1850 um die Stelle des Direktors der neugegründeten Turnlehrerbildungsanstalt in Dresden.

Sein „Ruf“ sah folgendermaßen aus:
“ Das Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts hat auf ihre Eingabe vom 26. vorigen Monats beschlossen, Sie an der hier zu errichtenden Turnlehrerbildungsanstalt als Lehrer mit dem Prädikat eines Direktors und mit einem festen Jahresgehalte von 600 Talern einzustellen etc ...“
Dresden , den 5. Juni 1850.
Er war damit der Gründer und der erste Direktor der "Königlich Sächsischen Turnlehrerbildungsanstalt" zu Dresden (Eröffnung 23. Oktober 1850). Durch seine mehr als dreißigjährige Tätigkeit als Direktor hatte er einen bedeutenden Anteil am Aufschwung des deutschen Turnwesens.
Der ehemalige Lehrer widmete sich ab 1840 verstärkt dem Turnunterricht und publizierte einige Titel zum Thema Turnen.

Eiselen-Schüler Moritz Kloss  war als Leiter der Turnlehrerbildungsanstalt in Dresden auch seit 1855 Herausgeber der „Jahrbücher für die Turnkunst“,

Erstmals um 1860 wurde dem weiblichen Geschlecht das Turnen in Schulen ermöglicht. Doch der "Vater des Mädchenturnens", Moritz Kloss lehnte zunächst das Bockspringen, Voltigieren, wie auch Barren- und Reckübungen aus "höheren Verletzungsrisiken" für das allgemein schulische Mädchenturnen ab.

Das "schwache Geschlecht'', sah man lieber am Waschkübel. Dafür schien die Muskelkraft zu reichen. Ansonsten, so die Meinung, würden Mädchen und Frauen von einer "Kette von Revolutionen und oft gar traurigen Krisen'' geplagt. Noch in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts lehnte der "Vater des Mädchenturnens'', Moritz Kloss, Bockspringen und Voltigieren, Barren- und Reckübungen ab. Sie würden dem "nach unten geöffneten'' und mit schwacher Muskulatur ausgestatteten weiblichen Körper schaden und die Turnerinnen vermännlichen. Erst um 1900 wurde das Spektrum des Mädchenturnens dem der Knaben angepasst. Beim Geräteturnen galt jedoch die Devise "Beine unten und geschlossen''. Übungen an Reck, Barren oder am Schwebebaum galten als "dem weiblichen Wesen angepasst anmutig und kräftigend zugleich''.

1875 Ruf zum Professor.

Zitate:

·        Frauen sollen sich bewegen – aber wie?

Zitate dazu:

«Das zweite Moment, nach welchem dem Weibe das innerliche Leben, Bilden und Erhalten, im Manne dagegen das Schaffen und Wirken im Äußeren vorwaltet, ist schon darin angedeutet, dass die Eierstöcke im Innern des Beckens, die Hoden hingegen außerhalb der Rumpfhöhle liegen.»

«Jedes stoß- und ruckweise Ausführen von Übungen muss hier bedenklich erscheinen. Das fordert schon die eigentümliche Lage der weiblichen Sexualorgane. Man darf nicht übersehen, dass der weibliche Körper seiner Bestimmung gemäss nach unten geöffnet ist, so dass bei heftigen Leibesübungen gar leicht Vorfälle entstehen können.» (Dr. Moritz Kloß)

Die Leibeserziehung der Mädchen findet im 19. Jahrhundert Praktiker und Theoretiker in Adolf WERNER (1794-1866) und Kloss (1818-1881). Diese zwei Didaktiker beschäftigten sich in erster Linie mit dem weiblichen Körper und dessen Belastbarkeit.

 

Veröffentlichungen Moritz Kloss:

 

ab 1855

 

Kloss Moritz : "Jahrbücher verdeutschen T." (hrsg. von Kloss, Dresden, 1855-1881)

Neue Jahrbücher der deutschen Turnkunst. Blätter für die Angelegenheiten des deutschen Turnwesens, vornehmlich in seiner Richtung auf Erziehung und Gesundheitspflege. Hrsg. von Moritz Kloss Dresden, Jg. 1855.

 

1856

 

Kloss Moritz : Weibliche Hausgymnastik  Weibliche Hausgymnastik. Eine leicht verständliche im Haus und Zimmer ausführbare Selbstanweisung zu gesundheitsgemäßer und heilkräftiger Körperübung. Als Beitrag für das weibliche Geschlecht alles Altersstufen bearb. ... 200,00  
m. 27 Abb. - - Leipzig: Weber, 1856. XVI, 171 S.

 

1860

 

Moritz Kloss : Hantel-Büchlein für Zimmerturner : ein Beitrag zur praktischen Gesundheitspflege -- 2. Aufl. -- Leipzig : J.J. Weber, 1860.

 

Moritz Kloss : Die Turnschule des Soldaten : systematische Anleitung zur Körperlichen Ausbildung ...  -- Leipzig : J.J. Weber, 1860.

 

1861

Kloss Moritz : Das Turnen im Spiel oder Lustige Bewegungsspiele für muntere Knaben. Eine Auswahl der einfacheren Jugend - und Turnspiele zur geistigen und körperlichen ... Dresden 1861 s. 4 nlb., 113, il. Sygn. 438.

 

1862

Kloss Moritz : Das Turnen in den Spielen der Mädchen. Eine Auswahl nützlicher und passender Jugend und Bewegungsspiele zur geistigen und körperlichen Erholung des jüngeren Mädchenalters wie als Beitrage zu einer naturgemäßen Jugenderziehung. Dresden 1862 s.VIII, 128, il. Sygn. 437.

 

1865

Kloss Moritz : Hantel-Büchlein für Turner ... 3. Aufl.. - Leipzig: Weber, 1865. [XVI, 114 S.]

 

1867

Kloss, Moritz : ed. ,Die vierte Versammlung deutscher Turnlehrer zu Stuttgart am 1.–3. August 1867. (Dresden, 1867), 1. 77. “Der vierte deutsche Turnlehrertag,” ...

Kloss Moritz : Die weibliche Turnkunst. Ein Bildungsmittel zur Förderung der Gesundheit Kraft und Anmuth des weiblichen Geschlechtes : für Eltern, Lehrer und Erzieherinnen,   2. durchgehende Aufl. Leipzig 1867 s. XIV,

 

1873

Kloss Moritz : Weibliche Haus - Gymnastik. Eine leicht verständliche, in Haus und Zimmer ausführbare Selbstanweisung zu gesundheitsgemäßer und heilkräftiger Körperübung : als Beitrag zur Gesundheitslehre für das weibliche Geschlecht aller Alterstufen. 3, durchgesehene u. verm. Aufl. Leipzig 1873 s. XVI, 192, il.. Sygn. 149.

 

Kloss, Moritz : Anleitung zur Ertheilung des Turnunterrichtes. Zunächst für die Elementarvolksschulen des Königreichs Sachsen auf Veranlassung des Königlich Sächsischen Ministerii des Cultus und öffentlichen Unterrichtes bearbeitet. 2., vermehrte und verbesserte Aufl. Dresden, G. Schönfeld, 1873

 

1874

 

Kloss Moritz : Katechismus der Turnkunst. 6, verm. u. verbesserte. Aufl. Leipzig 1874

 

1883

 

Kloß, Moritz: Jahrbücher der deutschen Turnkunst. Zeitschrift Blätter für die Angelegenheiten des deutschen Turnwesens. Neue Folge, Band II (XXIX. Jahrgang). Eduard Strauch, Leipzig 1883, Orig. Halbleder, 15x21 cm, 533 Gramm, 468 Seiten, Zustand: 3- ("Vornehmlich in seiner Richtung auf Erziehung und Gesundheitspflege".

 

1886

 

Kloß, Moritz : Hantelbüchlein für Zimmerturner. 8. Auflage. J.J. Weber Vlg., Leipzig 1886,

 

1887

Kloss Moritz : Katechismus der Turnkunst. 6, verm. u. verbesserte. Aufl. Leipzig 1887 s. VIII, 377, il. Sygn. 144.

 

1889

Kohlrausch E. : Physik des Turnens. Hof 1887 s. VII, 1 nlb., 68, il. Sygn. 43.

1895

 

Kloss Moritz : Hantel-Büchlein für Zimmerturner. 10. Aufl. Leipzig, J. J. Weber 1895.

 

Bilder:

Buch Katechismus der Turnkunst:

Foto Kloss

 

 

Moritz Kloss und seine Bücher sind weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

Es gibt im Internet Seiten in ganz Europa (http://www.ifi.ku.dk/download/?id=14&type=pdf.), die Kloss zitieren, aber auch in Japan (www.lib.hyogo-u.ac.jp/cgi-bin/hoe.pl?titl1=&titl2=&name1=&name2=&unit1=unit%2006 - 306k)...

Um einige seiner Bücher antiquarisch zu erstehen, muss man tief in die Tasche greifen u.U. bis 200.- Euro .

 

08/2006

 beatrix.schulz@uni-ulm.de